Ex-Kriegsreporter trifft Optimisten

Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Werdegang einer Unterwäsche-Unternehmerin einmal interessieren könnte. Doch der neue Podcast „How I Built This“ schafft es, dass ich eine knappe halbe Stunde lang zuhöre. In der ersten Episode von Anfang September spricht Gastgeber Guy Raz mit Sara Blakely. Sie hat mit 27 Jahren noch Faxgeräte verkauft und ist nun im Alter von 45 Jahren Milliardärin. Die Gründerin des Unternehmens „Spanx“ hat sich eine goldene Nase verdient mit dem Traum vieler, schlanker auszusehen, als sie sind. Die von Blakely erfundene elastische Unterwäsche zurrt den Körper offenbar angenehm in vorteilhaftere Proportionen.

Guy Raz hat sich mit diesem Podcast unter dem Dach von NPR zum Ziel gesetzt, mit Stars der Unternehmerszene hintergründige Gespräche zu führen. Er blickt auf die Anfänge von deren Erfolg zurück, spricht über Rückschläge und wählt dabei einen sympathischen Mittelweg zwischen freundschaftlichem Plaudern und journalistischer Distanz.

So erzählt Sara Blakely, wie hartnäckig sie dafür geschaut hat, dass ihre Unterwäsche in den Geschäften ein Renner wurde: Sie bezahlte Bekannte dafür, dass diese die Regale leerkauften. Und in der zweiten Episode mit den Instagram-Gründern Kevin Systrom und Mike Krieger erfährt man viel über den ziemlich unbedarften Start dieser Silicon Valley-Sprösslinge und wie viel Glück dabei sein muss, unter all den App-Tüftlern bei Investoren aufzufallen.

So nah dran an den ganz Grossen der amerikanischen Innovationsszene ist man selten. Dass der Podcast auch formal gestalterisch schön gemacht ist, gehört zum NPR-Standard.

Podcasts müssen Evergreens sein

Guy Raz selber gehört zu den ganz Grossen der Podcastszene. Seit 2012 moderiert er die „TED Radio Hour“ (ebenfalls von NPR). Dieser Podcast ist ein thematischer Zusammenzug aus verschiedenen TED-Talks und Interviews. Er wird wöchentlich 2,2 Millionen mal heruntergeladen.

Auf die Idee von „How I Built This“ habe ihn Louis Malles Film „My Dinner with Andre“ (aus dem Jahr 1981) gebracht, sagt Guy Raz in einem Interview mit der Bloggerin Dana Gerber-Margie. Der Film besteht aus einem eineinhalbstündigen, packenden Gespräch zweier Männer in einem Restaurant. Und genau diese Anlage ist das Vorbild für Guy Raz‘ neuen, wöchentlichen Podcast.

„Radio ist wie Twitter, Podcasting nicht“

Raz‘ Fundament als Interviewer ist eine langjährige Karriere als News-Journalist. Bereits mit 25 leitete er das NPR-Büro in Berlin. Er war Kriegsreporter im Balkan, in Afghanistan und im Irak. Nach all den Jahren, in denen er über Konflikte und Tragödien berichtet hatte, sei er nun froh, in seinen Podcasts mit optimistischen und kreativen Menschen zu tun zu haben. Und das Publikum, das er damit anspricht, ist nicht kleiner.

Was denn für ihn der Unterschied zwischen Radio und Podcast sei, will Dana Gerber-Margie von Guy Raz wissen. Er sagt: „Die Zukunft von Radio, sehr ähnlich wie beim Fernsehen, liegt in den News. Da ist eine Unmittelbarkeit drin, die das Podcasting nicht erreicht.“ Podcasts müssten auch beim Zwiebeln schneiden oder beim Joggen funktionieren. "Ein guter Podcast muss ein Evergreen sein." Guy Raz ist denn auch überzeugt, dass Radiogefässe, die nicht unmittelbar an News gebunden sind – Features, Hintergrundinterviews, thematische Schwerpunkte etc. - , immer mehr in die digitale Audiowelt der Podcasts abwandern. „Radio ist wie Twitter, Podcasting nicht“.