Braches Feld im deutschsprachigen Raum

„This American Life“, „Radiolab“, „99% Invisible“ – das sind Leuchttürme der Podcast-Welt. Sie erzählen umwerfende, wahre Geschichten auf eine gleichzeitig durchkomponierte wie lockere Art. Für mich waren solche Podcasts, als ich noch als Produzent beim öffentlich-rechtlichen Schweizer Radio und Fernsehen SRF arbeitete, eine veritable Horizonterweiterung, inhaltlich wie formal. Und gleichzeitig vermisste ich manchmal in den Traditionen des Radios die Freiheiten, die sich Podcaster nehmen können. Sei es schon nur, um sich vom fixen Zeitkorsett der Sendungslängen zu befreien.

Ich selber habe mir die Freiheit erlaubt, nach etlichen Jahren beim Radio und im runden Alter von 50 Jahren meine feste Anstellung aufzugeben und mir erst mal für all das Zeit zu nehmen, was vorher immer meine Neugier geweckt, aber nicht gestillt hatte. Dazu gehört die journalistische Podcast-Welt. In diese tauche ich nun ein, auf der Suche nach Perlen, nach den neuesten Diskussionen und nach Antworten auf Fragen wie:

-        Was braucht es für einen wirklich guten Podcast?

-        Existieren auch ausserhalb der USA inhaltlich und formal überzeugende Podcasts?

-        Gibt es im deutschsprachigen Raum einen Markt für Podcasts?

Meinen Blog schreibe ich auf Deutsch, auch wenn die meisten sonstigen Podcast-Blogs in Englisch erscheinen. Besser gesagt: gerade deswegen. Aus meiner Sicht ist der deutschsprachige Podcast-Raum (und ich spreche da von gut gemachten journalistischen Podcasts) noch immer ein ziemlich braches Feld. Erste Pioniere wie Viertausendhertz haben schon begonnen, das Feld zu beackern. Es kann nicht schaden, die Diskussionen hier zusätzlich etwas anzukurbeln (zu meinem eigenen Podcast-Projekt dann später mehr).

Beim Blick in die USA ist es für mich kein Zufall, dass etliche Top-Podcasts einen engen Bezug zum öffentlichen, nichtkommerziellen National Public Radio NPR haben. Einerseits werden sie neben dem Web auch auf NPR-Sendern ausgestrahlt. Andererseits gehören viele ehemalige oder gegenwärtige NPR-Leute zu den besten Podcastern. Offensichtlich lernt man im öffentlich-rechtlichen Rundfunk - trotz der dort oft beklagten Innovationsträgheit – nach wie vor besonders gut Geschichten zu erzählen und diese zu einem Hörerlebnis zu machen.

Nicht einverstanden mit dieser These? Antworten parat auf obige Fragen zur Podcastwelt? Erfahrungen, Tipps und Tricks zu Podcasts und zum Podcasting? Ich freue mich von euch zu hören!

PS: Ich habe eine Twitter-Liste erstellt mit dem Who-is-who des Podcastings. Die Liste ist per sofort öffentlich. Ihr findet sie über diesen Link.